Heimat als Sehnsuchtsort
25.01. – 22.03. 2026
Fahar Al-Salih
Fahar Al-Salih wurde 1964 in Belgrad geboren als Sohn eines Iraners und einer Serbin, lernte das damalige Jugoslawien jedoch nicht als Heimat kennen, sondern wuchs in Kuweit auf. Später in Wien, Bratislava, London, Dubai u.a.. Einleuchtend, dass das Nomadenleben zu einem der Kernthemen in seinen Arbeiten führte: zum Thema Heimat. Gerade Menschen mit Migrationserfahrung wissen, dass Heimat oft nur eine Art Konstrukt ist, dass Heimat immer nur individuell gefunden werden kann. Fahar Al-Salihs Arbeiten schlagen eine Brücke vom europäischen in den arabischen Raum. Bis heute ist der arabische Einfluss in seinen Werkserien zu erkennen.
In der Ausstellung werden große und kleine Ölgemälde, vor allem Landschaften gezeigt. Sie werden bei dem Künstler, der seit 2001 in Karlsruhe lebt, zu Sehnsuchtsorten, zu Studien über Identität und Stabilität, zu einem individuellen Begriff. Berge, Hütten und Wiesen werden zu einem Sehnsuchts- und Schutzort. Er arbeitet mit unterschiedlichen Farbkonzepten und Farbharmonien und bewegt sich zwischen figurativer und abstrakter Malerei.
In der Kunstgeschichte umfasst die Landschaftsmalerei die Darstellung von Ausschnitten sowohl aus dem von der Natur als auch aus dem von Menschenhand bestimmten Raum. Bildgegenstand können konkrete und idealisierte Landschaften aber auch Kulturlandschaften sein. Für Fahar Al-Salih wird die Landschaft zum Sehnsuchtsort, zu einem Synonym für Identität und Stabilität. Auf den Bildern hier im Hohenwart Forum tauchen immer wieder die gleichen Motive auf:
Zum einen Berge. Sie symbolisieren die Liebe zur Bergwelt, die Berge dienen als Idylle, als Sehnsuchtsort, als Ort der Freiheit aber auch Schutz. In seinen früheren Bildern sehen wir Bergkulissen. Später wird das Motiv der einzelnen Berge wichtiger. Außerdem Hütten und Häuser, die durch die Sattel- oder Giebeldachform deutlich werden. Auch sie sind ein Sinnbild für Schutz. Fahar nennt die Serie auch Shelter – der englische Begriff weist mehr auf den temporären Raum hin, der Schutz und Zuflucht bietet aber neben dem physischen ist auch der psychische Schutz gemeint. Auffallend ist, dass in den Bildern nur in Ausnahmefällen Menschen zu sehen sind. Er zeigt damit, dass Heimat ein individuelles Empfinden darstellt und für jeden Menschen einzigartig ist.
Neben den Ölbildern sehen wir Mosaike: Während seines Studiums erinnerte sich Fahar Al-Salih an die islamischen Mosaikkünste, die ihn schon im Kindesalter fasziniert hatten. „Besonders der Glanz und die Farben zogen mich in die Arbeiten hinein und animierten zum Träumen,“, sagt er. Seine Überlegung war, Mosaike modern zu gestalten und diese alte Kunst in einer neuen, völlig eigenen Handschrift zu präsentieren. So fing er 2005 an, diese Kunst zu puren Farbmosaiken zu abstrahieren – von denen der Betrachter auf den ersten Blick vermutet, dass es sich um Keramiken handelt.
Die Mosaike von Al-Salih entstanden wie Readymades aus einem simplen Alltagsgegenstand. Besonders beeindruckend sind seine Mosaike, die aus Haushaltsschwämmen, Acrylfarbe und Harz bestehen. Denn erst bei genauerem Hinsehen, wird klar, dass Fahar Al-Salih Acrylfarbe auf Spülschwämme aufträgt und mit Kunstharz veredelt, weil er beim Experimentieren herausfand, dass die Schwammstruktur den Farben eine große Tiefe und Strahlkraft verleiht. Hier werden sie zu Kompositionen zusammengestellt und erinnern an orientalische Mosaike. Im Grunde ist die Mosaik-Serie aus Schwämmen das Gegenteil von orientalischen Mosaiken, weil es bei den traditionellen Formen um hohe Qualität, exakte Präzision und mathematische Berechnung geht.
Abgerundet wird die Einzelausstellung durch die Werkserie „Bagdad Blues“, bestehend aus verschiedenen Fotodrucke, die eine Brücke in den arabischen Raum schlagen, Lebensrealitäten und menschliche Verletzlichkeit zeigen und ein Kommentar zum Zeitgeschehen sind. Die Fotos wurden alle vom Künstler bei seinen Besuchen in Bagdad erstellt. Sie zeigen Ansichten der Stadt, aber auch häusliche Szenen. Der Titel ist dabei eine Beobachtung des Künstlers geschuldet, dass den Menschen nach Jahren des Leids die Freude abhandengekommen ist und die Schwere überwiegt. Zur Serie Bagdad Blues gehören auch Fotografien die an anderen Orten wie Dubai entstanden. Er nimmt die Fotografien als Ausgangsmaterial und schafft durch Übermalungen und Collagen mit Messing, farbigem Plexiglas, orientalischen Schriftzeichen und vielem Mehr, andere Ansichten, eine neue Dramaturgie und Narrative. Dadurch werden Emotionen transportiert und es geht ihm dabei häufig um die Darstellung von Kontrasten, die die Zerrissenheit der jeweiligen Länder zeigt.
- Fahar Al-Salih 1964 geboren in Belgrad, Serbien
- Meisterschüler bei Prof. Hermann Nitsch, Wien sowie Prof. Markus Lüpertz, sowie Jerry Zenuik und Ingrid Floss.
- Seit 2010 Teilnahme an nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen
- Seit 2009 Teilnahme an diversen Messen
- Vertreten in verschiedenen Privatsammlungen
@ Auszug aus der Vernissage Rede von Christina Körner: ART-Gottesdienst 25.1. 2026