Where to?
23.11.2025 – 11.01.2026
Franziska Schemel
Franziska Schemel ist 1961 in Frankfurt a.M. geboren. Sie hat von 1984 bis 1990 ein Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Erich Mansen absolviert und bereits während sie Malerei studierte, begann sie zu fotografieren. Seit 1990 lebt und arbeitet sie freischaffend in Karlsruhe. Sie wurde mit verschiedenen Kunstpreisen und Stipendien ausgezeichnet
In den Raumbildern der Künstlerin befindet sich immer ein fotografisches Motiv, das einer gemalte Fläche eingefügt oder hinzugefügt wurde. Dadurch entsteht eine neue Bildmitte. Die Arbeiten sind meditativ, ruhig, nach innen konzentriert und wollen entdeckt werden. Die Konzentration auf das Wesentliche, durch geometrische, meist rechteckige, selten kurvige Flächen, entfalten eine archaische Strenge und wecken Assoziationen an altägyptisch Kunst. Auch die Bildtafeln sind symmetrisch aufgebaute Kompositionen und wirken sehr regelmäßig durch die Anordnung der Bildelemente.
Betrachten wir die typischen künstlerischen Stilmittel von Franziska Schemel: Ein fester Bestandteil aller Raumbilder ist die kleinformatige Fotografie. Alle Fotografien werden von der Künstlerin vor Ort aufgenommen und dann im Atelier weiter ausgearbeitet. Es handelt sich also nicht um eine eingerahmte Fotografie, die wir hier sehen! Durch das Hineinmontieren der Fotografien in die Bildfläche entstehen fensterartige Öffnungen.
Meist sind es unterirische Bauwerke, die wir sehen – wie U-Bahnhöfe, Unterführungen, Tunnel, Ein- und Ausgänge von U-Bahn-Schächten und Treppen im urbanen Umfeld. Die Motive erzeugen häufig eine Stimmung des Verlassen Seins, der Einsamkeit, oft der Verlorenheit des Einzelnen. Der Mensch wird in der urbanen Umgebung der Stadt dargestellt und befindet sich auf den Bildern der Künstlerin an diesen transitorischen Orten. Der Mensch im Übergang von A nach B – von Ziel und Ankunft. Denn ein ganz wesentliches Thema, das Franziska Schemel in ihren Raumbildern seit Jahren durchdekliniert, ist die Schwellensituation – immer ist ein Ausgang oder Eingang auf den Bildern zu sehen.
Dazu setzt sie die Farben und Farbwahl ganz bewusst ein. Charakteristisch ist die reduzierte Farbpalette, die auf die Farben der Stadt verweisen: Kühle Farben, wie Grau-Blau-Nuancen, dazu die Nichtfarbe Weiß, Graphitgrau sowie intensives Blau erinnern an Beton und Steine – daneben stehen die Farben Rostrot und Rotbraun-Tönen, die Ziegel- und Klinkersteine ähneln.
Seit dem Jahr 2010 steht der Mensch bei Franziska Schemels Bildern in einer Art Friesmalerei im Mittelpunkt: Die Künstlerin unterscheidet nicht zwischen Mann und Frau bei ihren Arbeiten – Es sind urbane Menschen und sie stehen für einen Typ Mensch, der diese Bauwerke rechtfertigt und ihnen einen Sinn gibt. Die Menschen bilden vielfach gemalte Schemen und Schatten.
Ein weiteres Stilmittel ist der Einsatz der Materialien: Vor Ort, beim Fotografieren, sieht die Künstlerin die verwendeten Bau-Materialien und versucht sie nachzuahmen: Dafür verwendet sie bei ihren Raumbildern, die unterschiedlichsten Materialien, die rau und eher stumpf wirken: Acryl, Pigmente, Sand aufgetragen auf Leinwand oder Holz, um den Stein- oder Betoncharakter der Architektur nachzuahmen. Die Verarbeitung wie Torf oder Steinmehl ua. Materialien kamen im Laufe der Zeit hinzu.
@ Auszug aus der Vernissage-Rede: Christina Körner